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Basilika der Heimsuchung der Jungfrau Maria in Heiligelinde

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Einführung

Tschenstochau
des Nordens

Heiligelinde (Święta Lipka) ist eine kleine Ortschaft, die seit dem 15. Jahrhundert als Ziel zahlreicher Wallfahrten bekannt ist. Sie liegt in der Nähe von Rastenburg (Kętrzyn) am Dejnowa-See. Die Kirche der Heiligen Jungfrau Maria befindet sich an der Stelle der zwei zuvor existierenden Kapellen – einer aus der Zeit um 1400 und der zweiten aus dem Jahr 1619, gebaut auf Initiative des königlichen Sekretärs, Stefan Sadorski.

Die Anfänge des Kultes der Muttergottes reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück, lange bevor das Sanktuarium errichtet wurde. Der Legende nach wurde ein zum Tode verurteilter Mann in den Kerkern der Kirche in Rastenburg gefangen gehalten. Dort schnitzte er, dank einer Eingebung der Muttergottes, eine Figur der Jungfrau Maria und ihres Kindes aus Holz. Nachdem die Skulptur fertig war, wurde er freigelassen und die Figur hängte er an eine Linde auf dem Weg von Rastenburg nach Rößel (Reszel). Die Skulptur der Jungfrau Maria mit Kind wurde für ihre Wunder berühmt.

Das Sanktuarium der Mutter der Einheit der Christen in Heiligelinde, an dessen Stelle einst zwei Kapellen standen, ist heute eines der wichtigeren und bekanntesten Marienheiligtümer in Polen. Das Gotteshaus wurde an der Grenze zweier Glaubensgebiete errichtet, des katholischen Ermlands (Warmia) und des protestantischen Herzogtums Preußen. Vor den Teilungen wurde es dank zahlreicher Pilgerfahrten „Tschenstochau des Nordens“ genannt.

Święta Lipka gigapanorama

Geschichte

Geburt
einer
Barockperle

Das Pilgerheiligtum in Heiligelinde ist ein Objekt von besonderem Wert für die polnische Kultur, die lokale Geschichte und die polnische Identität.

Die heutige Kirche wurde an der Stelle von zwei zuvor existierenden Marienkapellen errichtet. Die steigende Anzahl von Pilgern und die sich entwickelnde Pilgerbewegung  zu der 1619 von Stefan Sadorski gestifteten Kapelle, ermutigte die Jesuiten zum Bau einer großen Ablasskirche. Im Jahr 1687 legte Bischof M. Radziejowski, nach Erteilung einer Genehmigung durch das Kathedralenkapitel von Ermland (Warmia), den Grundstein für den Bau einer neuen Kirche in Heiligelinde. Die von den Jesuiten geschlossenen Verträge mit dem Maurermeister aus der „königlichen Stadt Vilnius“ J. B. Ertli ermöglichten 1688-1693 den Rohbau der Kirche, sie wurde von Bischof J. S. Zbąski geweiht.

In den Jahren 1695-1697 wurde ein Ordenshaus gebaut und zwischen 1694-1708 wurden die Kreuzgänge mit vier Kapellen errichtet. Das Gebäude wurde in Anlehnung an das tschechische Konzept der Jesuiten-Pilgerstätte Heiliger Berg in Přibram entworfen. Die architektonischen Arbeiten wurden mit Unterbrechungen ausgeführt und 1734 abgeschlossen. Als letztes Element sind die barocken Kuppeln der Türme und die verzierte Fassade des Gotteshauses entstanden.

Teil einer größeren Geschichte

Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gab es hinter Heiligelinde die staatliche und konfessionelle Grenze, die den Katholizismus in Ermland vom Lutheranismus im Herzogtum Preußen trennte. Das Mariensanktuarium an der Grenze zweier unterschiedlichen Kulturen und Religionen beeinflusste ebenso die protestantische Gemeinschaft, die wie die katholische Gemeinde Gnaden erhielt. Dies geschah zur Zeit der Existenz der Kapelle von S. Sadorski und nach dem Bau des Jesuiten-Barockkomplexes. An dessen Bau und Verschönerung arbeiteten sowohl protestantische Künstler aus Königsberg als auch katholische Künstler aus Ermland. Die Kirche ist während der Reform des Katholizismus entstanden und trägt seitdem eine Botschaft der Offenheit und Einheit. Im Jahr 1624 wurde das Tempel der Gesellschaft Jesu (Jesuitenorden) anvertraut.

1473

Aufzeichnung in den Akten des Plock-Kapitels über die Pilgerfahrt zum Ablass in die Ortschaft „Lipky“ (das älteste Quellendokument).

1482

Bestätigung der Existenz der „Capelle in Linde“ im Dokument vom Bischof M. Tungen, der sie auf Antrag des Hochmeisters in die Obhut des Priesters Szymon übergeben hat.

1519

Eine der feierlichsten Wallfahrten, an der der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens, A. von Hohenzollern und die beiden Bischöfe H. von Dobeneck aus Pomesanien und G. von Polentz aus Samland sowie zahlreiche weltliche Würdenträger, u.a. Markgraf W. Ernest, Fürst von Braunschweig teilgenommen haben.

1524

Abriss der ersten Kapelle in Heiligelinde, Zerstörung der Figur der Muttergottes, Fällen der Linde und Verbot religiöser Praktiken.

1618

Der Freikauf von Heiligelinde aus den Händen von O. von der Groeben durch den königlichen Sekretär S. Sadorski.

1619

Weihe des Grundsteins für den Bau der zweiten Kapelle in Heiligelinde, Bau des neuen Gebäudes und Weihe durch Bischof Sz. Rudnicki.

1626

Lateinische Ausgabe des Werkes von M. F. Ciaritius, in dem der Name „Linda Mariana“ (Braunsberg/Braniewo) erscheint.

1659

Veröffentlichung des Werkes des Jesuitenpaters T. Clagius in Köln, mit der Abbildung der Kapelle auf der Titelseite und Beschreibung im 4. und 5. Buch von außergewöhnlichen Gnaden, die Pilger, die nach Heiligelinde gekommen sind, bekommen haben.

XVII

Die endgültige Gestaltung des zweiteiligen Namens „Heilige Linde“, der in den Werken von K. J. Hartknoch aus den Jahren 1684 und 1686 sowie in den Verträgen der Jesuiten über den Bau der Kirche, die zwischen 1688 und 1690 geschlossen wurden, erscheint.

1687

Weihe des Grundsteins durch Bischof M. S. Radziejowski für den Bau einer neuen Kirche.

1693

Feierliche Weihe der Kirche im Rohzustand durch Bischof J. S. Zbąski.

1734

Bekrönung der Türme der Westfassade mit Barockhelmen, Fertigstellung der architektonischen Arbeiten.

1759

Fertigstellung der Verschönerungsarbeiten des Innenraums der Kirche.

1780

Ankündigung der Auflösung des Jesuitenordens in Preußen von Papst Clemens XIV., Ernennung von Bischof I. Krasicki, den Superior Abt F. Rymkiewicz zum Pfarrer der örtlichen Pfarrei und den verbleibenden Jesuitenväter zu seinen Helfern.

1816

Formelle Bewilligung der katholischen Pfarrei in Heiligelinde durch Bischof J. von Hohenzollern.

1932

Rückkehr der Jesuiten nach Heiligelinde dank Bischof M. Kaller.

1945

Übernahme der Obhut des Sanktuariums durch die polnischen Jesuiten.

1968

Feierliche Krönung des Bildes Muttergottes von Heiligelinde mit päpstlichen Kronen durch den Primas von Polen, Kardinal S. Wyszyński unter Anteilnahme von Kardinal K. Wojtyła. An diesem größten religiösen Ereignis in der Geschichte des Sanktuariums nahmen 33 Bischöfe und etwa 100.000 Gläubige teil.

1983

Erlass eines Dekrets von Papst Johannes Paul II., in dem der Kirche in Heiligelinde der Titel und die Rechte einer Basilica minor („kleinere Basilika“) verliehen wurden. Feierliche Verkündigung der päpstlichen Bulle am 29. Mai 1983 durch Bischof J. Obłąk, Weihe einer Gedenktafel und deren Einmauerung am Eingang zur Kirche.

1993

Jubiläumsfeier zum 300. Jahrestag der Kirchweihe unter Anteilnahme des polnischen Episkopats.

2018

Die Mariä-Heimsuchung-Basilika in Heiligelinde sowie der Kreuzgang und das Kloster werden offiziell als historisches Denkmal anerkannt.

Die Majestät
des menschlichen
Schaffens

Die Kirche hat die Form einer dreischiffigen Basilika. Das Mittelschiff ist mit einem Viergelenkbogen bekrönt und die Seitenschiffe sind mit Emporen geschmückt, die von Säulen getragen werden. Das Presbyterium mit Zweigelenkbogen ist nach Osten ausgerichtet.

Vom Westen her ist das Gebäude mit einer schmalen Fassade verschlossen, die sich über die Seitenwände hinaus erstreckt. Die dreiundfünfzig Meter hohen quadratischen Türme sind in Bezug zu den Achsen beider Seitenschiffe leicht verschoben. Das ganze Gebäude wurde auf einem rechteckigen Grundriss erbaut. Das überwiegende Material ist verputzter Backstein.

Die Kirche besticht durch die Größe und Geräumigkeit ihres Innenraums. Das Kirchenschiff ist 24 x 21 Meter groß, wovon 10 Meter die Breite des Mittelschiffs einnehmen. Das Presbyterium misst 12 x 8 Meter; die Höhe der Gewölbe des Mittelschiffs beträgt 19 Meter. Die innere Geräumigkeit ist dem hohen und schmalen Mittelschiff zu verdanken, dem die anderen Teile des Innenraums untergeordnet sind (die Höhe des Mittelschiffs beträgt 19 Meter, die der Seitenschiffe 5 Meter und die Emporen sind fast 4 Meter hoch).

Die Kirche ist von einem rechteckigen Kreuzgang und vier quadratischen Eckkapellen umgeben.

Die Kirchengebäude entsprechen dem um 1573 von Karl Borromäus formierten Kanon des Kirchenbauprogramms, das besagt, dass die Kirchen mit ihrer Architektur „die Wirkung religiöser Zeremonien verstärken sollten, selbst wenn sie einen zufälligen Besucher beeinflussen […] damit nicht nur die Innenräume der Kirche geräumig, hell und kompositorisch dem großen Altar untergeordnet sind, sondern auch prächtige, mit Heiligenfiguren geschmückte Fassaden haben. Mit dem Ausmaß und der Situation sollten sie die Umgebung beherrschen“.

Architektur

Turmuhr

Ursprünglich war der Bau einer Turmuhr nicht beabsichtigt. Die Zeit wurde mit einer Sonnenuhr gemessen, die sich bis heute an der Südwand der Kirche befindet und mit dem Datum 1696 gekennzeichnet ist.

Erst vierzig Jahre später wurde für eine mechanische Uhr gesorgt. Von ihrem Bau berichten Einträge im Rechnungsbuch. Für den Bau des Mechanismus war der Uhrmacher Jan Albrecht aus Königsberg verantwortlich, der 1736 nach Heiligelinde kam, um sich das Gebäude anzuschauen und Messungen vorzunehmen. Das Uhrwerk befindet sich am Südturm in einem Holzaufbau. Drei Bleigewichte bewegen drei Wellen: eine für die Uhr und zwei für die Glocken. Das Pendel ist vier Meter lang. Über seinem Haken ist die Unterschrift des Meisters in Form eines dekorativen Buchstabens „A“ und des Jahres 1740 zu sehen.

Ein Mechanismus bewegt die Zeiger auf vier Zifferblättern. Diese haben einen Durchmesser von drei Metern und sind aus mit Blech bedecktem Holz angefertigt. Ihre Oberfläche verdeckt die Seitenfenster der höchsten Stockwerke beider Türme. Auf den vorderen Zifferblättern gibt es arabische Ziffern, auf den seitlichen römische. Zusätzlich zu den stündlichen Ziffern gibt es auch Zahlen, die die Viertelstunden anzeigen. Die Mitte jedes Zifferblatts ist mit einer strahlenden Sonne geschmückt. Die großen Zeiger der Uhren enden mit einem kleinen Mond und die kleinen (am anderen Ende) mit einem Stern. Zahlen und andere dekorative Elemente wurden von Ignacy Gurtler in Königsberg in den Jahren 1738-39 vergoldet.

Die Stundenglocke, mit einem Durchmesser von 132 Zentimetern, wurde am Nordturm platziert. Am Südturm befindet sich eine Viertelstundenuhr mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern. Beide Uhren sind mit der folgenden Signatur versehen: „me fudit Johan Jacob Dornmann Regiomonti Anno MDCCXXXX“. Das Zymbal wurde fest fixiert, beweglich sind nur die Hämmer, die von oben an den Rand der Glocke schlagen.

Kreuzgänge

Die Kirche samt ihrer Kreuzgänge ist auf einem rechteckigen Grundriss entstanden, wobei die Kreuzgänge die Kirche umlaufen. Die 4 Kapellen sind in den jeweiligen Ecken auf einem quadratischen Grundriss errichtet worden.

Ein Teil der Kreuzgänge, die an der Fassade der Kirche anliegen, wurde mit Reihen von Steinstatuen auf Sockeln angereichert. Barockkirchen mit einer ähnlichen architektonischen Struktur sind in Polen weit verbreitet, aber nur in Heiligelinde umgeben die Kreuzgänge die ganze Kirche und beherbergen an ihren Enden vier Kapellen. Die niedrige, breite Form der Kreuzgänge kontrastiert mit dem hohen Kirchenblock und ist ein Gegengewicht zu den vertikalen Akzenten der Fassade. Dank dieser Lösung bilden die Kirche und ihre Umgebung eine vollkommene Komposition. Das Gotteshaus wächst beinahe in die Landschaft hinein.

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Altar

Hauptaltar

Die gesamte Ostwand ist vom größten und prächtigsten Altar des Gotteshauses besetzt. Er ist 19 Meter hoch und reicht bis zum Gewölbe der Basilika. Der Alter wurde 1712-1714 von K. Peucker in seinem Atelier in Rößel (Reszel) hergestellt, finanziert wurden die Arbeiten von Bischof T. Potocki.

Die Holzkonstruktion des Altars ist dreistöckig und besteht aus für den Spätbarock typischen architektonischen Elementen und Ornamenten. Die einzelnen Ebenen des Alters, die sich nach oben verjüngen, wurden mit einer Vielfalt von Skulpturen und Bildern gefüllt.

Den wichtigsten Platz des Alters nimmt das wundersame Bild der Muttergottes von Heiligelinde, das 1640 von B. Pens gemalt wurde, ein. Das rechteckige Leinwandbild ist mit einem silbernen Kleid bedeckt, das 1719-1720 vom Goldschmied S. Grewe aus Königsberg angefertigt wurde.

Derselbe Künstler fertigte auch eine silberne Tabernakulumdekoration auf dem Altartisch an. Es zeigt „Christus mit den Jüngern in Emmaus“ an der Tür und das „Abendmahl“ in der Bekrönung.

Das mittlere Bild des Alters stellt die Mariä Heimsuchung dar, das obere Mariä Aufnahme in den Himmel. Beide wurden 1725 von P. Kolberg aus Guttstadt (Dobre Miasto) gemalt.

An den Seiten jeder Etage befinden sich Skulpturen: die Heiligen –  Johannes der Täufer, Josef, Joachim und König David (unteres Geschoss); die heiligen Andreas, Petrus, Paulus und der Evangelist Johannes (mittleres Geschoss); die heiligen Wojciech, Szczepan, Kazimierz und Zygmunt (oberes Geschoss).

Der gesamte Altar ist mit einer strahlenförmigen Gloriette gekrönt, in deren Lichtspalt sich das Christogramm „IHS“ befindet.

Orgel

„Gott, erhalte
dieses Werk bis
zum Jüngsten Tag“

Dank der Bemühungen des Superior-Abtes G. Engell (1718-1722) baute der königliche Orgelmeister J. J. Mosengel aus Königsberg in den Jahren 1719-1721 eine wunderschöne Orgel.

Das Instrument, dass sich harmonisch in die Umgebung einfügt, wurde ursprünglich als achtzehnstimmiges Instrument mit zwei Manualen entworfen. Doch im Laufe der Arbeiten wurde die Bestellung um ein drittes Manual und ein Pedal vergrößert, insgesamt siebenunddreißig Stimmen. Wie alle Instrumente mit Barockklang verfügte auch die Heiligelinde-Orgel über eine mechanische Traktur und die zum Spielen notwendige Luft wurde durch vier Keilbälge gepumpt, die von sogenannten Kalkanten betätigt wurden.

Malerei

Buntglasfenster
im Südschiff

In den fünf Fenstern des Südschiffes befinden sich Buntglasfenster, die von J. M. Machhausen aus Koblenz angefertigt wurden. Das Thema dieser Meisterwerke mit kräftigen, satten Farben sind die „schmerzhaften Geheimnisse“. Ursprünglich begann die Anordnung der Szenen mit dem „Gebet im Garten von Gethsemane“ im Fenster der südlichen Kapelle und endete mit der „Kreuzigung“ im vierten Fenster des Südschiffes. Doch aufgrund einer gründlichen Restaurierung der Verglasung wurde die alte Reihenfolge umgekehrt.

Die Buntglasfenster nach dem Vorbild gotischer Glasherstellung wurden dank der Protektion des Ermland-Bischofs, Filip Kremenz aus Koblenz hergestellt. Er trug zur Schaffung hochwertiger Glasmalereien in der Diözese Ermland u.a. in Frauenburg (Frombork) und Plaßwich (Płoskinia) und vermutlich, basierend auf den für denselben Künstler typischen Merkmalen, in Bertung (Bartąg), Bartenstein (Bartoszyce), Groß Elditten (Ełdyty Wielkie) und Freudenberg (Radostowo) bei.

Die Glasfenster in der Kirche in Heiligelinde sind eklektisch gestaltet und an den barocken Innenraum der Kirche angepasst. Die Arbeiten von J. M. Machhausen zeichnen sich durch die präzise Zeichnung der Gesichter und Körper der dargestellten Figuren aus. Darüber hinaus tragen die Buntglasfenster in Heiligelinde Inschriften und Signaturen der Werkstatt. Möglicherweise schmückten die Buntglasfenster auch die Fenster des Nordschiffes, aber es ist nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen sie abgebaut wurden.

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Gemalte
Votive

Das Innere der Kirche ist reich mit Wandpolychromie von M. J. Mayer verziert. Der Stifter der Malereien war Bischof T. Potocki.

Der Künstler hat das ikonographische Programm konsequent erarbeitet und die ihm anvertraute Aufgabe hervorragend ausgeführt. Die Arbeiten wurden in den Jahren 1722-1727 durchgeführt. Mayer verband marianische und christologische Themen mit der Apotheose der Heiligen der Gesellschaft Jesu. Das Gewölbe des Presbyteriums und des Mittelschiffs wurden mit Illustrationen zu den Anrufen der Litanei von Loreto geschmückt – von der Königin der Engel bis zur Königin der Bekenner. Die Gewölbe der Seitenschiffe wurden mit Darstellungen der schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse bedeckt. An den Seitenwänden des Gotteshauses befinden sich fünfzehn Szenen aus dem Leben der Muttergottes. Die Wände um die Fenster, Säulen und Bögen wurden mit über hundert sogenannten „gemalten Votiven“ geschmückt, die in Form von Medaillons die Wunder der Muttergottes von Heiligelinde veranschaulichen und eng mit der Geschichte des Sanktuariums verbunden sind.

Gemälde der
Muttergottes
von Heiligelinde

Das wundersame Bild der Muttergottes von Heiligelinde, bekannt auch als das Bild der Mutter der Einheit der Christen, entstand auf Initiative des Superiors der Jesuitenmission, Abt T. Clagius oder seines Nachfolgers, Abt M. Leski.

Das Gemälde wurde 1640 vom flämischen Maler B. Pens in seinem Atelier in Vilnius angefertigt. Das Ölgemälde auf Leinwand, mit den Maßen 2,20 x 1,50 Meter ist der wundersamen Ikone der Muttergottes vom Schnee „Salus Populi Romani“ aus der römischen Basilika Santa Maria Maggiore nachgebildet.

Dank des Goldschmieds S. Grewe ist die gesamte Leinwand mit einem silbernen Kleid mit einem reichen Blumenornament und Bändern bedeckt, unter dem die Gesichter und Hände der Muttergottes und des Kindes hervorblicken. Der Künstler fertigte auch vergoldete Kronen, Heiligenscheine, Sterne, Strahlen und zwei Engel an.

Skulptur

Gemeinschaft
der Heiligen

Die Basilika in Heiligelinde ist nicht nur reich an Ornamenten, sie trägt auch eine ideologische und inhaltliche Botschaft, die in der Architektur und den Skulpturen enthalten ist.

Der ideologische Inhalt war von erheblicher Bedeutung für die Reform der katholischen Kirche, an die sich der Jesuitenorden wagte. Teil der Arbeiten war die Schaffung von geschnitzten Heiligenbildern mit nicht zufälliger Symbolik und Auswirkung.

In der Kirche befinden sich Holzskulpturen, die folgende Teile schmücken: den Hauptalter (ausgewählte Figuren des Alten und Neuen Testaments, einige Apostel und polnische Heilige), Seitenaltäre, die Kanzel (vier Evangelisten, zwei Kirchenlehrer, Engel), das Orgelprospekt und die Beichtstühle.

In den Nischen der Türme wurden Steinskulpturen gestellt (vier Darstellungen von Jesuitenheiligen, d.h. Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Stanislaus Kostka und Aloisius von Gonzaga), am Gesims (zwei Figuren der Heiligen – Peter und Paul), in der Nische der Fassade (Figuren der Muttergottes mit dem Kind an einer Linde), auf der Balustrade der Kreuzgänge, in den Nischen der Westkapellen (vierundvierzig Darstellungen der Vorfahren Christi) und in den Ecken des Kirchhofs (Unbefleckte Mutter, hl. Josef mit dem Kind, die Kreuzigungen und die hl. Anna, die Maria lehrt).

In die Bildhauerarbeiten waren Werkstätten in Königsberg (J. K. Döbel, M. Pörtzel, M. Zachowitz) und Rößel (K. Peucker, J. Ch. Schmidt) involviert.

„Liber
generationis“
von Pervanger

Das aus künstlerischer Sicht wichtigste Element ist die einzigartige Gruppe von vierundvierzig Skulpturen „Liber generationis“ von Prevanger. Die Skulpturen schmücken das Dach des Kreuzgangs und die Nischen der Kapellen. Es ist einer der wenigen, vollständig erhaltenen Komplexe barocker Steinskulpturen in Polen.

Pervanger wählte für seine Bildhauarbeiten Steinmaterial aus Schweden (lapis gothicus). Das Material war schwer zu bearbeiten, dafür aber leicht zugänglich. Pervangers „Liber generationis“ wurde von Historikern als herausragendes Werk anerkannt. Die Figuren sind künstlerisch hervorragend. Trotz der Einschränkungen, die sich aus dem Thema und der Unterordnung der Galerie der Architektur ergeben, gelang es dem Künstler eine Vielzahl an Posen und Gesten zu schaffen. Die Bewegungen sind natürlich und zwanglos, die psychologische und emotionale Charakteristik der Figuren – tief und ergreifend. All das wurde unter sparsamer Mittelverwendung wiedergegeben. Das zeugt von der Vorstellungskraft und der Verfahrensgewandheit des Künstlers. „Dank der Jesuiten aus Heiligelinde konnte Pervanger das einzige Mal in seinem künstlerischen Leben sein umfassendes Talent zeigen. Hier liegt für die Forscher des Werks des Tirolers der besondere Wert seiner Arbeit“.

Handwerk

In Silber
und Gold

In der Basilika gibt es viele einzigartige Stücke sakraler Schmuckkunst. Die Autoren waren Goldschmiedekünstler, u.a.: J. und M. Bartolomowicz aus Allenstein (Olsztyn), S. Grewe aus Königsberg, J. K. Reese aus Allenstein, J. G. Stolberg, J. Lettau aus Guttstadt, J. Reimer, finanziert von kirchlichen Geistlichen von Mitte des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Stifter waren Bischöfe und Kanoniker aus Ermland, der Pfarrer von Heiligelinde und Laien. Einige Werke fallen im Raum der Kirche deutlich auf, z.B. der silberne Rahmen des Tabernakulums, das Kleid und die Kronen des Bildes der Muttergottes an einer Linde, ewige Lichter sowie Votive in Form von Silbertafeln. Andere kleinere Werke sind liturgische Paramente: Kelche, Ampullen, Patenen, Dosen, Monstranzen, Reliquiare sowie der Weihrauchfass.

Förderung der Kultur

Für das Projekt „Erhöhung der Zugänglichkeit des Pilgerheiligtums in Heiligelinde (Święta Lipka) mit Hilfe der 3D-Virtualisierung der Denkmäler seiner Kirche“ wurden Zuschüsse vom Ministerium für Kultur und nationales Erbe gewährt, die aus Zuschlägen von Glücksspielen, für die ein Staatsmonopol besteht, erhalten wurden, gemäß des Art. 80 Abs. 1 des Gesetzes vom 19. November 2009 über Glücksspiele.