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Hl.-Joseph-Kirche
in Grüssau

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Geschichte

Ungewöhnlicher
Bruderschaftstempel

Die Hl.-Joseph-Bruderschaftskriche wurde zwischen 1690 und 1696 auf Initiative des Abtes Bernard Rosa erbaut. Das Gebäude wurde an der Stelle der Hl.-Andreas-der-Apostel-Kirche errichtet. Es diente als Hauptsitz der entstandenen Hl.- Josef-Bruderschaft.

Geplant war die Kirche als neue Pfarrkirche und als Hauptsitz der noch immer wachsenden Hl-Josef-Bruderschaft, die 1669 gegründet wurde.

Die vorgesehenen Funktionen hatten den Charakter des Gebäudes und seine Ausstattung stark beeinflusst. Die Einfachheit der Botschaft und ihr Inhalt sollten die Prediger bei der Verkündigung des Wortes Gottes und der Evangelisierung der Gläubigen unterstützen, während die polychromen Gemälde im Inneren den Besuchern die Geschichte von Josef und der Heiligen Familie zeigen.

Die Innenausstattung der Kirche ist dem Hüter Christi gewidmet, denn auf Schritt und Tritt begegnet der Betrachter Gemälden und Skulpturen, die den Heiligen Josef und seine Teilnahme an der Geschichte der Erlösung darstellen.

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Teil einer
größeren
Geschichte

Die Geschichte der Abtei von Grüssau (Krzeszów), einschließlich die Gründung der frühbarocken Hl.-Josef-Bruderschaftskirche, ist untrennbar mit der Geschichte Schlesiens verbunden. Die Stiftung erfolgte durch einen Fürsten aus der Dynastie des ältesten Sohnes von Bolesław III. Schiefmund – Władysław. Die Zeit der größten Entwicklung und des Baus des zweiten Abteitempels, der als „Haus der Gnade Mariens“ gegründet wurde, resultierte aus der Rivalität zwischen Katholiken und Protestanten. Schließlich wurde die Existenz des Klosters durch ein Edikt des preußischen Königs beendet, der 1810 den Großteil der Klöster Schlesiens auflöste.

1669

Gründung der Hl-.Josef-Bruderschaft auf Initiative von Abt Bernhard Rosa am 19. März 1669.

1672

Gründung des Weilers Bethlehem.

1672

Bau des Grüssauer Kalvarienbergs in den Jahren 1672 - 1678. In der Nähe der Abtei wurden 33 Kreuzwegstationen nach den ursprünglichen Jerusalemer Maßen errichtet.

1690

Baubeginn der Hl.-Josef-Bruderschaftskirche.

1693

Im Oktober stürzten zwei Kirchürme ein. Sie wurden nie wieder aufgebaut.

1693

Fertigstellung des Tempels im Rohzustand.

1693

In den Jahren 1693 - 1696 schuf Michael Willmann Polychromien im Inneren der Kirche.

1696

Einweihung der Bruderschaftskriche am 7. Mai 1696.

1696

Tod des Abtes Bernhard Rosa.

Architektur

Eine unscheinbare
Perle

Die schlichte Form der Kirche lässt in keiner Weise erahnen, was Sie im Inneren erwartet.

Die schlichte Fassade weicht optisch eindeutig von der Fassade der nahegelegenen ehemaligen Mariä-Himmelfahrt-Klosterkirche ab. Wissbegierige werden jedoch einen subtilen Hinweis auf die Jesuitenkirche Il Gesu des Heiligsten Herzen Jesu in Rom bemerken.

Die Kirche liegt auf der Nord-Süd-Linie, wodurch die Tradition der Orientierung aufgegeben wurde. An der Fassade der Kirche sind Skulpturen zu sehen, die die Heilige Familie darstellen. Maria (links) hat den Mond unter ihren Füßen. Christus in der Mitte hält in seiner Hand den königlichen Apfel – ein Symbol der Macht – während er mit der anderen Hand Menschen segnet. Unter ihm steht in goldenen Ziffern das Jahr der Kirchweihe (1696).

Symmetrisch zu Maria wurde Josef mit einem brennenden Herzen dargestellt. Ursprünglich war die Kirche mit zwei Türmen geplant, die jedoch während der Bauarbeiten im Jahr 1693 einstürzten. Schließlich wurde die Kirche mit einem Satteldach gedeckt und die Fassade im 18. Jahrhundert durch eine Attika ergänzt.

Gebäude
zu Ehren der
Heiligen Familie

Architektonisch ist die Kirche den Wandmalereien untergeordnet, die den Besucher überall begleiten. Um sie hervorzuheben, wurden mehrere Lösungen ausgewählt, die zusammen in ihrer Zeit ein innovatives Werk ergaben.

Das Innere ist ein Beispiel für eine Hallen- und Emporenkirche, bei der es sich um ein Schiff handelt und Kapellenreihen, die die Illusion eines dreischiffigen Innenraums erzeugen. Die Kirche wurde auf einem rechteckigen Grundriss mit einem apsisförmigen Presbyterium gebaut.

Die Nord-Süd-Anordnung des Gebäudes und die Reihen riesiger Vollbogenfenstern, die in Höhe der Emporen angebracht sind – sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite – sorgen dafür, dass die Kirche trotz fehlender Kronleuchter an den Gewölben perfekt beleuchtet ist.

Dieses Verfahren erleichtert die Präsentation der Gemälde. Zur Beleuchtung der Fresken am Tonnengewölbe wurden Lünetten verwendet, die ebenfalls mit Polychromien verziert sind.

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Dachstuhl

Der Dachstuhl und das Dach der Hl.-Josef-Bruderschaftskirche selbst sind sehr einfach – das Hauptschiff der Kirche ist mit einem Satteldach aus Kupferblech bedeckt.

Die wenig komplizierte Konstruktion des dreistöckigen Dachstuhls ermöglichte im 20. Jahrhundert, die Bestände der Großen Preußischen Bibliothek auf dem Dachboden des Tempels in Grüssau aufzubewahren. Etwa 500 Kisten, die Teil der sogenannten „Berlinka“ waren, wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Grüssau transportiert.

Nach dem Ende des Konflikts wurde sie gesichert und nach Krakau gebracht, zunächst in das Dominikaner- und Franziskanerkloster und dann in die Jagiellonen-Bibliothek, wo sie sich heute befindet.

Hauptaltar

Hauptaltar

Das hölzerne Mobiliar der Hl.-Josef-Kirche ist klein, um die Fresken nicht zu verdecken.

Ein ausgezeichnetes Beispiel ist der Hauptaltar, der die an den Wänden des Presbyteriums dargestellten Polychromie „Die Freude über die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ nicht verdeckt. Die Holzkonstruktion ist im Stil des Spätbaroks – des Rokoko – gehalten.

Die Figuren der Dreifaltigkeit – von links Maria, Emmanuel und Josef – wurden von Joseph Lachel im dem Jahr 1775 geschnitzt. Das ältere ist das Tabernakel und stammt aus der abgerissenen gotischen Klosterkirche. In den seitlich angeordneten Vitrinen befinden sich Reliquien von Heiligen. Auf dem Antependium des Altars befindet sich ein Gemälde, das die Anbetung der Hirten darstellt.

Malerei

Schlesische
Sixtinische
Kapelle

Michael Willmann – der „schlesische Rembrandt“ – schuf in drei Jahren über 50 Werke in Polychromie, die das Innere der Bruderschaftskirche schmücken.

Die Vielzahl dieser Darstellungen an einem Ort macht die Kirche in Grüssau zur größten Freskensammlung Nordeuropas. Der Sitz der Hl.-Josef-Bruderschaft ist im Volksmund als „schlesische Sixtinische Kapelle“ bekannt.

Die Werke in Polychromie an den Wänden der Hl.-Josef-Kirche beziehen sich inhaltlich auf den Schutzpatron. Unter den zahlreichen Darstellungen im Hauptschiff sind zwei Zyklen zu unterscheiden: die 7 Freuden des heiligen Josef und die 7 Schmerzen des heiligen Josef, die zusammengenommen die Geschichte des Hüters der Heiligen Familie von der Hochzeit mit Maria bis zur posthumen Herrlichkeit erzählen.

Auf dem Gewölbe stellte der Maler die Vorfahren der Heiligen Familie dar, beginnend mit Abraham. Neben den narrativen Fresken gibt es in der Kirche viele dekorative Polychromien: Engelsmotive und florale Ornamente.

Stammbaum
Christi

Eine Reihe von Fresken am Gewölbe des Hauptschiffs der Hl.-Josef-Bruderschaftskirche stellt den Stammbaum Christi dar.

Das gesamte Werk beginnt über der Orgelempore mit dem Bild von Abraham und Isaak, der auf einem Baumstamm liegt. Es ist ein  symbolischer Hinweis auf den Beginn der Genealogie. Das Werk endet an den Wänden des Presbyteriums, wo Willmann die Apostel – Petrus und Paulus -, die die Weltkirche symbolisieren, darstellte.

Beim Gewölbe besteht eine enge Zusammenarbeit, denn für die Beleuchtung des Gewölbes wurden Lünetten eingeführt – dreieckige Vertiefungen, deren Oberfläche anschließend mit Polychromie ausgefüllt wurde.

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Sieben
Freuden
des hl. Josef

Der Hauptteil der Geschichte des hl. Josef wurde an den Seitenwänden des Hauptschiffs abgebildet. Auf der Westseite der Kirche sind die sieben Freuden des hl. Josef dargestellt, die bei Sonnenaufgang von den Sonnenstrahlen beleuchtet werden. Die in den Fresken dargestellten Motive werden durch Szenen ergänzt, die auf den Unterbögen und Antependien dargestellt sind, die sich in unmittelbarer Nähe der zentralen Darstellungen befinden.

Die erste Freude des hl. Josef ist seine Verlobung mit Maria. Auf dem Fresko wurden die Verlobten bei der Segnung durch den Priester gemeinsam dargestellt. Josef hält in seiner linken Hand eine Palme – ein Symbol der Reinheit – und streckt Maria seine andere Hand entgegen. Engel überschütten das Paar mit Kränzen und Blumensträußen und über ihnen schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube, die eine Illustration der Worte ist: Der Heilige Geist wird über euch kommen und die Kraft des Höchsten wird euch überschatten (Lk 1,35).

Sieben
Schmerzen
des hl. Josef

Gegenüber den sieben Freuden des hl. Josef befindet sich eine Reihe von Wandpolychromien, die die sieben Schmerzen des Hüters der Heiligen Familie darstellen. Wie bei anderen Fresken werden auch diese von den Sonnenstrahlen beleuchtet.

Aufgrund der Lage dieser Darstellungen an der Ostwand im Hauptschiff werden sie von der Sonne am Nachmittag bis zum Sonnenuntergang belichtet. Die in den Fresken dargestellten Motive werden durch Szenen ergänzt, die auf den Unterbögen und Antependien dargestellt sind, die sich in unmittelbarer Nähe der zentralen Darstellungen befinden.

 

Staffelei-
Malerei

In der Hl.-Josef-Bruderschaftskirche dominieren die Wandpolychromien von Michael Willmann. Diese Fresken bedecken fast die gesamte Oberfläche der Wände. Die Leinwandmalereien in der Kirche werden heute nur noch aufbewahrt.

Sie wurden im Auftrag der Abtei angefertigt, um den Kult des Hüters der Heiligen Familie oder der Passion Christi zu fördern. Darunter finden sich Werke von Künstlern wie Michael Willmann, Marcin Leistritz oder Johann Classens.

Skulptur

Gemeinschaft
der Heiligen

In der Hl.-Josef-Bruderschaftskirche gibt es nur wenige geschnitzte Darstellungen. Dies ist auf die Verlagerung des Schwerpunkts auf die gemalten Darstellungen zurückzuführen, die die Biblia pauperum (Bibel für die Armen) bildeten und zur Evangelisierung der Menschen, die in die Kirche kamen, verwendet wurden.

Um die Gemälde hervorzuheben, wurde beschlossen, die hölzernen Einrichtungsgegenstände auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren, um die Sicht nicht zu beeinträchtigen. Unter den wenigen Werken von Bildhauern sind die Kanzel aus dem 18. Jahrhundert und der Hauptaltar mit Skulpturen von Georg Schrötter erwähnenswert.

Kanzel

Die Holzkonstruktion wurde von Antoni Jörg angefertigt. Sie wurde zwischen 1700 und 1707 erschaffen. Auf dem Baldachin ist die Heilige Dreifaltigkeit zu sehen. Oben ist der  Gottvater von Engeln umgeben, etwas weiter unten eine Taube, das Symbol des Heiligen Geistes. Auf der Laibung befindet sich das IHS-Monogramm, das Christus symbolisiert.

Auf dem Korb befinden sich vier Flachreliefs, die Szenen aus dem Leben des hl. Josef darstellen: Herr Jesus hilft seinen Eltern bei der Arbeit; Anbetung des Kindes; Flucht nach Ägypten; ein Engel weckt den hl. Josef, damit er nach Ägypten flieht. Ganz unten im Korb befinden sich das Wappen der Abtei von Grüssau und das Wappen der Bruderschaft des hl. Josef. Sie zeigen eine Allegorie der kämpfenden Kirche unter dem Motto: Pro Deo et Ecclesia, d. h. Gott und die Kirche.

Handwerk

Rahmen
der Liturgie

Aufgrund der Auswirkungen der Klosterauflösung im 19. Jahrhundert blieb ein kleiner Teil der liturgischen Paramente in den Mauern der postzisterziensischen Abtei erhalten.

Bis heute sind Gegenstände aus dem 17. und 18. Jahrhundert vorhanden, die von den aufeinanderfolgenden Äbten aus Grüssau bestellt wurden. Als besonders gelten die liturgischen Paramente, die anlässlich des 50. Gelübdes des Abtes Innocenty Fritsch im Jahre 1733 geschaffen wurden. Ein Beispiel für ein solches Geschenk ist der Kelch „Emanuel“. Bis heute ist auch das von Bernard Rosa in Auftrag gegebene Räuchergefäß erhalten geblieben. Unter den übrigen Gegenständen dominieren Kerzenhalter.

Förderung der Kultur

Die römisch-katholische Pfarrei „Mariä Himmelfahrt“ mit Sitz in Grüssau – Begünstigte des Projektes: „Digitalisierung des historischen Denkmals – Hl.-Josef-Kirche in Grüssau – Perlen des europäischen Barocks – Etappe II“, wurde vom Ministerium für Kultur, Nationalerbe und Sport finanziert, dessen Gelder aus dem Kulturförderungsfonds – einem staatlichen Zweckfonds – stammten.